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Boulderweltcup München: Jan Hojer holte beim Heimweltcup Bronze!

Eine tobende Menge, starke Athletinnen und Athleten und spannende Boulder waren die exquisiten Zutaten für den Boulderweltcup München. Am Ende gab es aus deutscher Sicht viel Grund zum Jubeln: Jan Hojer holte beim Heimweltcup Bronze!

Nach der Qualifikation, in der sich drei Deutsche für die nächste Runde empfehlen konnten, kletterten die besten 20 gegeneinander. Afra Hönig (DAV Landshut), Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) und Alex Megos (DAV Erlangen) gingen für das deutsche Team an die Griffe (Nachbericht zum Qualifikations-Tag). Der Druck im Halbfinale war wie immer groß: Nur sechs Männer und Frauen gehen aus dieser Runde hervor. Sie haben für die vier Boulder jeweils fünf Minuten Zeit.

Begrüßt wurden die 40 Athletinnen und Athleten von einer frenetisch jubelnden Menge: Der Stopp in München ist immer etwas Besonderes. Tausende Kletterbegeisterte zieht es jedes Jahr zu diesem Event. Auch 2019 bildet hier keine Ausnahme: Mehr als 4000 Menschen kamen auf das Gelände, bereits mittags war der Wettkampf ausverkauft!

Halbfinale der Damen: Extrem schwere Boulder

Für die Routenschrauber ist es immer eine Gratwanderung, die richtigen Probleme an die Wand zu bringen. Sind sie zu leicht, kann man die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht voneinander separieren, sind sie zu schwer, gibt es ähnliche Probleme. Hinzu kommen die Bedingungen beim Routenbau: In der Regel werden die Probleme in der Woche vor dem Wettkampf geschraubt. In München herrschten in den Wochen davor Temperaturen um die 10 bis 15 Grad, am Halbfinaltag kletterten die Temperaturen aber auf über 20 Grad. Gerade Sloper (von denen es eine Menge gab) sind dann viel schwieriger zu halten. Das Stichwort heißt “Grip”. Trotz all dem kann man sagen: Die Boulder waren sehr schwer. Dies lässt sich an einer einfachen Statistik zeigen: Von zwanzig Athletinnen konnten konnten nur zwei Damen überhaupt Boulder toppen, 18 Frauen erreichten keinen einzigen Zielgriff. So genügten zum Weiterkommen auch zwei Zonen in fünf Versuchen. Vier Athletinnen konnten keinen Zonengriff erreichen. Dazu gehörte leider auch Afra Hönig.

Vom anderen Stern präsentierte sich einmal mehr Janja Garnbret (SLO). Sie konnte als einzige Athletin alle Boulder toppen. Das verdeutlicht die ungeheure Form, in der sich die Ausnahme-Kletterin im Moment befindet. Zweite wurde Ievgeniia Kazbekova (UKR), die immerhin einen Boulder flashen konnte, doch auch sie erreichte keine weitere Zone. Außerdem im Finale dabei: Katja Kadic (SLO), Mia Krampl (SLO), Julia Chanourdie (FRA) und Fanny Gibert (FRA). Drei Sloweninnen zeugen von der unglaublichen Team-Leistung der slowenischen Mannschaft. Die ebenfalls starken Japanerinnen waren in München nicht dabei: Zeitgleich mit dem BWC findet in Japan ein interner Wettkampf statt, bei dem die Olympia-Kandidaten und Kandidatinnen gerankt werden.

Halbfinale der Herren: Hojer eine Runde weiter

Die vier Probleme der Herren waren machbarer geschraubt – aber nicht geschenkt. Auch die Herren hatten mit der Reibung zu kämpfen, die Boulder mussten schnell geschafft werden. Das sieht man an den Zahlen: Die meisten Boulder wurden im 1. bis 3. Versuch geklettert. Die besten Sechs konnten drei von vier Boulder toppen und erreichten eine Zone. Einzig Adam Ondra (CZE) erreichte in allen Routen den obersten Griff.

Jan Hojer kam gut in den Wettkampf: Zwar konnte er im ersten Boulder nur die Zone erreichen, dafür im ersten Anlauf. Dies war bei vielen Wettkämpfern der Fall. Neben Ondra erreichte nur Jongwon Chon (KOR) den Top-Griff. Die Boulder zwei und drei waren die einfachsten: Ein Großteil der Athleten konnte sie klettern. Alex Megos hatte keine Schwierigkeiten im extrem überhängenden zweiten Boulder. Am dritten Problem machte es der Erlanger allerdings spannend: Er schaffte die Route 19 Sekunden vor Ablauf der Zeit – nach 9 Versuchen. Der vielleicht beste Felskletterer der Welt bescherte sich und dem Publikum einige spannende Minuten. Hojer hatte in beiden Routen keine Probleme und flashte die zwei Probleme.

Nachdem viele Athleten in Boulder eins bis drei ähnliche Ergebnisse erzielten, kam es auf den letzten Boulder an! Leider konnte Megos hier das Ziel nicht erreichen, zwei Boulder und zwei Zonen platzierten den Erlanger auf dem 10. Platz. Hojer, derzeit in Top-Form, benötigte in dem überhängenden Boulder mit riesigen Volumen nur zwei Versuche. Er qualifizierte sich als Dritter für das Finale. Dort bekommt er es neben Chon und Ondra mit Jakob Schubert (AUT), Anze Peharc (SLO) und Aleksey Rubtsov (RUS) zu tun.

Finale der Männer: Hojer holt Bronze!

Es war ein super dramatisches Finale: Bereits der erste Boulder hatte es in sich! Durch eine überhängende Wand führte eine unübersichtliche Grifffolge aus großen abschüssigen Volumen. Hier erreichten fünf Athleten nur den Zonengriff, der Tscheche Adam Ondra flashte die Route gleich mal. Hojer lag danach auf Platz 6. Auch er hatte die Zone erreicht, benötigte aber die meisten Versuche.

Problem zwei führte die Athleten zunächst an großen Slopern nach oben. Zwei Meter unter dem Top blieben aber nur noch Mini-Griffe. An diesen musste man zu einem recht guten Top-Griff springen. Ondra flashte auch dieses Problem, in dem allerdings auch die anderen Athleten das Top erreichten. Hojer machte es noch einmal spannend: Er konnte den Zielsprung zunächst nicht abfangen und pendelte wild. Doch er blieb hängen und verbesserte sich damit auf Platz 5: Jongwon Chon (KOR) brauchte zwei Versuche mehr.

Weiter ging es mit Boulder drei, einem Plattenboulder. Hier musste man an Volumen wackelig aufstehen und hatte einen Fingernagel großen Griff dafür. Stand man einmal benötigte es noch einen Sprung nach oben – ca 1,5 Meter! Ondra flashte erneut, Schubert benötigte zwei Versuche, der Russe Aleksey Rubtsov drei. Hojer, der Slowene Anze Peharc und Chon erreichten nur die Zone. Schubert und Rubtsov verbesserten sich auf Platz zwei und drei.

Für Hojer hing also alles von dem letzten Boulder ab. Dieser führte an großen Volumen dynamisch durch einen Überhang. Kraft und Dynamik waren hier gefragt – und genau das lag ihm. Als Einziger flashte er diesen Boulder und verbesserte sich auf Platz drei. Schubert schaffte dieses Problem im dritten Anlauf und schob sich auf Platz zwei vor. Ondra, auf dessen Sieg die Zuschauer nach den drei Flashs sicher schon Wetten abgeschlossen hatten, hob nicht wirklich ab. Er erreichte auch nicht die Zone und überlies dem Österreicher Schubert den obersten Podiumsplatz.

Das Damenfinale: Start-Stopp-Sieg für Garnbret

Zum Damenfinale kühlte es merklich ab. Darüber freuten sich vor allem die Athletinnen, denn für die vier schwierigen Routen brauchte man jeden Grip, der zu bekommen war. Leider mussten die deutschen Damen aus der Zuschauermenge zusehen, sie konnten kein Halbfinal-Ticket lösen.

Es war wieder einmal Janja Garnbret, die diese Runde dominierte – wenn auch nicht so klar wie im Halbfinale. Zwar konnte sie alle Boulder bezwingen, jedoch nicht im Flash. Am Ende kam ihr die Französin Fanny Gibert noch einmal gefährlich nahe: Auch sie konnte alle Probleme lösen. Drei Versuche mehr verwiesen sie auf den zweiten Platz. Für Janja Garnbret ist es der fünfte Sieg in fünf Wettkämpfen. Damit hat sie heute auch vorzeitig den Gesamtweltcup gewonnen.

Eine tolle Leistung lieferte auch Mia Krampl ab, eine von insgesamt drei Sloweninnen im Finalteam. Die erst 18-Jährige war definitiv die Siegerin der Herzen: Von Beginn an plagten sie Probleme im Knie, sie versuchte nur auf einem Fuß zu landen. Bei jedem Versuch merkte man ihr den Schmerz sichtlich an. Trotzdem hielt sie durch – und wurde belohnt! Am Ende stand sie auf dem dritten Podiumsplatz. Und das in ihrer ersten Bouldersaison bei den Seniorinnen!

Platzierungen Herren

  1. Jakob Schubert (AUT)
  2. Adam Ondra (CZE)
  3. Jan Hojer (GER; DAV Frankfurt/Main)

10. Alex Megos (DAV Erlangen)
23. Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten)
33. Christoph Schweiger (DAV Ringsee)
35. Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd)
37. Alexander Averdunk (DAV München-Oberland)
39. Kim Marschner (DAV Schwäbisch Gmünd)
41. Yannick Flohé (DAV Aachen)
61. Max Prinz (AlpinClub Hannover)
65. Elias Arriagada Krüger (AlpinClub Berlin)

Platzierungen Damen

  1. Janja Garnbret (SLO)
  2. Fanny Gibert (FRA)
  3. Mia Krampl (SLO)

17. Afra Hönig (DAV Landshut)
23. Lucia Dörffel (Sächsischer Bergsteigerbund)
27. Alma Bestvater (DAV Weimar)
37. Elisa van der Wel (DAV Zweibrücken)
39. Roxana Wienand (DAV Aschaffenburg)
43. Helene Wolf (DAV Hamburg und Niederelbe)
49. Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln)
53. Leonie Lochner (DAV München-Oberland)
55. Annika Pidde (DAV Darmstadt-Starkenburg)

Rookie-Wertung: Elias Arriagada Krüger gewinnt!

Zum ersten Mal gab es auch eine Rookie-Wertung: Der und die Beste unter 20 Jahren in ihrem ersten Weltcup-Jahr erhielten eine eigene Auszeichnung, die von der Landeshauptstadt München vergeben wurde.

Herren:

  1. Elias Arriagada Krüger (GER)
  2. Nino Grünfelder (SUI)
  3. Samuel Wingardh (SWE)

Damen:

  1. Camilla Moroni (ITA)
  2. Mattea Pötzi (AUT)
  3. Aya Sugawara (JPN)